Kann nachhaltiges Investieren Umweltverschmutzung reduzieren? Eine strukturelle Analyse der Kapitalallokation in ESG-Fonds
- Jiwoo Jung
- 1. März
- 2 Min. Lesezeit

Im Rahmen der Austria Pollution Awareness Campaign liegt der Schwerpunkt meist auf Umweltmessung und öffentlicher Aufklärung. Umweltverschmutzung wird jedoch nicht nur durch Politik und individuelles Verhalten beeinflusst, sondern auch durch Kapitalströme.
Wenn Investitionskapital weiterhin stark in emissionsintensive Unternehmen fließt, bleibt Umweltbelastung strukturell im Wirtschaftssystem verankert. Daher stellt sich eine zentrale Frage: Führt „nachhaltiges Investieren“ tatsächlich zu einer messbaren Reduktion von Umweltbelastung, oder handelt es sich hauptsächlich um eine alternative Vermarktung bei ähnlicher Marktentwicklung?
Um diese Frage zu untersuchen, habe ich zwei große US-Aktien-ETFs quantitativ verglichen:
VOO: Vanguard S&P 500 ETF (breiter Marktindex)
SUSL: iShares ESG MSCI USA Leaders ETF (ESG-gefilterter Index)
Obwohl diese Fonds US-basiert sind, investieren sie in multinationale Unternehmen mit globalen Lieferketten und Umweltwirkungen – auch in Europa.
CO2-Exposition und Kapitalallokation
Zur Messung der Umweltbelastung wurden die Scope-1-Emissionen (direkte Emissionen) und marktbasierte Scope-2-Emissionen (strombezogene indirekte Emissionen) jedes Unternehmens mit seinem Portfolioanteil gewichtet. Dadurch wird die Emissionsbelastung im Verhältnis zum investierten Kapital erfasst.
Für die jeweils 20 größten Positionen (rund zwei Drittel des Portfoliogewichts):
VOO gewichtete Emissionen: 1.764.944 tCO2e
SUSL gewichtete Emissionen: 368.020 tCO2e
Die kapitalgewichtete Emissionsbelastung von VOO ist damit nahezu fünfmal so hoch.
Diese Differenz ist stark konzentriert. In VOO entfallen etwa 88 Prozent der gesamten gewichteten Emissionen auf zwei Unternehmen: Exxon Mobil und Amazon. Wenn emissionsintensive Unternehmen hohe Portfolioanteile behalten, bleibt Umweltbelastung strukturell im Investment verankert.
SUSL hingegen gewichtet emissionsintensive Unternehmen geringer oder schließt sie aus. Der größte Emissionsbeitrag stammt hier von Alphabet und ist überwiegend auf Stromverbrauch (Scope 2) zurückzuführen, nicht auf fossile Brennstoffförderung. Die ESG-Filterung führt daher nicht zu einer vollständigen Eliminierung von Emissionen, sondern zu einer deutlichen Verschiebung der Kapitalstruktur.
Das zeigt: Kapitalmärkte können Umweltbelastung beeinflussen, indem sie steuern, welche Unternehmen dominierende Kapitalströme erhalten.
Finanzielle Entwicklung
Eine geringere Emissionsbelastung bedeutet jedoch nicht automatisch eine Entkopplung vom Gesamtmarkt.
Die durchschnittlichen wöchentlichen Renditen im Jahr 2024 waren nahezu identisch:
VOO: 0,49%
SUSL: 0,47%
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