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Kann nachhaltiges Investieren Umweltverschmutzung reduzieren? Eine strukturelle Analyse der Kapitalallokation in ESG-Fonds


Im Rahmen der Austria Pollution Awareness Campaign liegt der Schwerpunkt meist auf Umweltmessung und öffentlicher Aufklärung. Umweltverschmutzung wird jedoch nicht nur durch Politik und individuelles Verhalten beeinflusst, sondern auch durch Kapitalströme.

Wenn Investitionskapital weiterhin stark in emissionsintensive Unternehmen fließt, bleibt Umweltbelastung strukturell im Wirtschaftssystem verankert. Daher stellt sich eine zentrale Frage: Führt „nachhaltiges Investieren“ tatsächlich zu einer messbaren Reduktion von Umweltbelastung, oder handelt es sich hauptsächlich um eine alternative Vermarktung bei ähnlicher Marktentwicklung?

Um diese Frage zu untersuchen, habe ich zwei große US-Aktien-ETFs quantitativ verglichen:

  • VOO: Vanguard S&P 500 ETF (breiter Marktindex)
  • SUSL: iShares ESG MSCI USA Leaders ETF (ESG-gefilterter Index)

Obwohl diese Fonds US-basiert sind, investieren sie in multinationale Unternehmen mit globalen Lieferketten und Umweltwirkungen – auch in Europa.

CO2-Exposition und Kapitalallokation
Zur Messung der Umweltbelastung wurden die Scope-1-Emissionen (direkte Emissionen) und marktbasierte Scope-2-Emissionen (strombezogene indirekte Emissionen) jedes Unternehmens mit seinem Portfolioanteil gewichtet. Dadurch wird die Emissionsbelastung im Verhältnis zum investierten Kapital erfasst.

Für die jeweils 20 größten Positionen (rund zwei Drittel des Portfoliogewichts):

  • VOO gewichtete Emissionen: 1.764.944 tCO2e
  • SUSL gewichtete Emissionen: 368.020 tCO2e

Die kapitalgewichtete Emissionsbelastung von VOO ist damit nahezu fünfmal so hoch.

Diese Differenz ist stark konzentriert. In VOO entfallen etwa 88 Prozent der gesamten gewichteten Emissionen auf zwei Unternehmen: Exxon Mobil und Amazon. Wenn emissionsintensive Unternehmen hohe Portfolioanteile behalten, bleibt Umweltbelastung strukturell im Investment verankert.

SUSL hingegen gewichtet emissionsintensive Unternehmen geringer oder schließt sie aus. Der größte Emissionsbeitrag stammt hier von Alphabet und ist überwiegend auf Stromverbrauch (Scope 2) zurückzuführen, nicht auf fossile Brennstoffförderung. Die ESG-Filterung führt daher nicht zu einer vollständigen Eliminierung von Emissionen, sondern zu einer deutlichen Verschiebung der Kapitalstruktur.

Das zeigt: Kapitalmärkte können Umweltbelastung beeinflussen, indem sie steuern, welche Unternehmen dominierende Kapitalströme erhalten.

Finanzielle Entwicklung
Eine geringere Emissionsbelastung bedeutet jedoch nicht automatisch eine Entkopplung vom Gesamtmarkt.

Die durchschnittlichen wöchentlichen Renditen im Jahr 2024 waren nahezu identisch:

  • VOO: 0,49%
  • SUSL: 0,47%

Die Renditekorrelation lag bei 0,987 – beide Fonds bewegten sich fast vollständig im Gleichschritt mit dem Gesamtmarkt. SUSL wies jedoch eine leicht höhere Marktsensitivität auf (Beta ≈ 1,13) sowie eine etwas höhere Volatilität. In positiven Marktphasen verstärkt dies Kursgewinne, in negativen Phasen erhöht es die Verluste. ESG-Filterung verändert somit nicht die grundsätzliche Markteinbindung, sondern nur leicht die Risikodynamik. Das deutet darauf hin, dass Investoren ihre Emissionsbelastung reduzieren können, ohne sich grundlegend vom breiten Aktienmarkt zu entfernen.

Öffentliche Aufmerksamkeit
Zusätzlich wurde untersucht, ob Veränderungen im öffentlichen Suchinteresse mit der Wertentwicklung der Fonds zusammenhängen. Die Korrelationen zwischen wöchentlichen Google-Suchveränderungen und Renditen lagen jeweils unter 0,20 und waren damit schwach.

Kurzfristige Aufmerksamkeitseffekte scheinen auf ETF-Ebene keine zentrale Rolle zu spielen. Makroökonomische Faktoren dominieren die Kursentwicklung.

Bedeutung für die Umweltbewusstseinsarbeit
Umweltverschmutzung ist nicht nur ein regulatorisches oder individuelles Problem, sondern auch ein strukturelles Kapitalallokationsproblem. Wenn Kapital überwiegend in emissionsintensive Unternehmen fließt, bleibt Umweltbelastung finanziell verankert. ESG-Strategien beseitigen Emissionen nicht vollständig, können jedoch die kapitalgewichtete Emissionsbelastung deutlich reduzieren.

Für eine Initiative wie die Austria Pollution Awareness Campaign zeigt diese Analyse, dass nachhaltiger Wandel systemisch gedacht werden muss: über Politik, gesellschaftliches Verhalten und Finanzstrukturen hinweg. Eine Reduktion von Umweltverschmutzung erfordert nicht nur Bewusstseinsbildung und Regulierung, sondern auch ein Verständnis dafür, wie Kapitalströme Umweltwirkungen mitgestalten.

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Über Mich

Jiwoo Jung ist ein südkoreanischer Schüler, der die American International School in Wien besucht. Er lässt derzeit sein Programm zur Vorhersage industrieller Umweltverschmutzung patentieren und arbeitet an der Veröffentlichung seiner Forschungsarbeit. Er plant, an der Universität Umweltwissenschaften zu studieren.

Österreichische Bewusstseins-kampagne gegen Umweltver-schmutzung

Jiwoo Jung

Wien, Österreich

+43-660-9676-848

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